Unser Roadtrip von Karlsruhe nach Sizilien – eine entspannte Reise gen Süden
Schon früh am Morgen rollten wir in Karlsruhe los, vollgepackt mit Vorfreude und Kaffee. Die A5 kannten wir eigentlich gut, aber diesmal fühlte sich alles ein bisschen anders an – schließlich führte sie uns nicht nur irgendwohin, sondern bis nach Sizilien. Einmal quer durch Europa, und wir mittendrin.
Über Basel ging es hinein in die Schweiz, wo die Berge schon bald am Horizont auftauchten. Hinter Luzern, am Vierwaldstättersee, wurde die Landschaft immer eindrucksvoller, und die Luft bekam dieses frische, klare „Urlaubsaroma“. Vor dem Gotthard-Tunnel holte uns dann die berüchtigte Blockabfertigung ein. Doch selbst das Warten hatte diesmal etwas Entspanntes: Motor aus, Beine vertreten, Sonne im Gesicht – und die Gewissheit, dass hinter dem Tunnel der Süden beginnt.
Nach Chiasso begrüßte uns Italien mit warmem Licht, fröhlichem Gewusel und dem besten Autobahn-Cappuccino der Welt, zumindest heute gefühlt. Kilometer um Kilometer ging es weiter Richtung Florenz, bis wir am späten Nachmittag Barberino di Mugello erreichten. Etwas außerhalb fanden wir unser erstes Nachtquartier – ein idyllisches Anwesen inmitten von Hügeln, Zypressen und diesem typisch toskanischen Abendduft. Ein perfekter Ort, um den ersten Tag ausklingen zu lassen. Das Lokal in der Nähe, das uns der Vermieter empfohlen hatte, war ein Volltreffer. Nur einheimische Gäste, und entsprechend lecker waren das Essen und der Wein.
Weiter Richtung Süden – Umbrien, Rom und die Serpentinen an die Amalfiküste
Am nächsten Tag machten wir uns nach einem ausgedehnten Frühstück gut erholt wieder auf den Weg. Die Autobahn trug uns weiter, doch immer wieder lockten uns in Umbrien kleine Abstecher weg davon: enge Landstraßen, Olivenhaine, alte Steindörfer und eine Landschaft, die aus jeder Perspektive „Postkarte“ ruft. Italien kann eben auch gemütlich.
Rom umkurvten wir planmäßig großräumig – ein Verkehrsabenteuer, auf das wir gerne verzichten konnten. Stattdessen glitten wir entspannt an der Ewigen Stadt vorbei und steuerten Neapel und den markanten Vesuv an. Und schon kurz danach begann der landschaftliche Höhepunkt: die Serpentinen der Amalfiküste.
Kurve um Kurve windeten wir uns entlang der steilen Felsen in die Höhe, um dann nach Überqueren der Monti Lattari mit atemberaubenden Blicken auf das türkis schimmernde Tyrrhenische Meer belohnt zu werden. Der Verkehr wurde enger, die Straßen schmaler und der Ausblick umso spektakulärer. Schließlich erreichten wir Maiori. Der Ort war ein Traum – die Parkplatzsuche allerdings weniger. Doch nach ein paar Ehrenrunden fanden wir tatsächlich einen Platz, und der erste Eindruck der Amalfiküste war schlicht großartig.
Tag drei – von der Amalfiküste bis nach Kalabrien
Der dritte Tag begann mit dem leisen Rauschen der Wellen und einem Blick auf die steilen Hänge der Amalfi-Region. Nachdem wir uns wieder auf den Weg gemacht hatten, fuhren wir weiter nach Süden – immer der Küste entlang. Unser spontaner Fotostopp am Strand von Gizzeria war ein kleines Highlight: ein fast menschenleerer Strand, ein paar Möwen, viel Ruhe und ein paar schnelle Fotos, bevor wir weiterzogen.
Am späten Nachmittag erreichten wir Bagnara Calabra. Unsere Unterkunft, das „Green Park Hotel & Residence“, lag etwas außerhalb, ruhig und gemütlich in den Bergen – genau richtig für eine Pause nach vielen Kilometern am Steuer. Von der Strandpromenade aus konnten wir schon unser großes Ziel sehen: Sizilien, dunkel am Horizont, und sogar Stromboli zeigte sich klar. Der Moment fühlte sich ein wenig so an, als würde die Reise uns zuflüstern: „Jetzt ist es nicht mehr weit.“ Auch die Anreise war bereits Urlaub: Tagesetappen, die leicht zu bewältigen waren, und jetzt schon viele neue Eindrücke.
Der Sprung nach Sizilien
Am nächsten Morgen ging es die letzten Kilometer nach Villa San Giovanni. Die vorgebuchte Fähre wartete bereits – und mit ihr der kurze Sprung über die Meerenge von Messina. Wir konnten ohne Probleme 4 Stunden vor unsererem Buchungstermin einchecken. Die Überfahrt war entspannt, begleitet von warmem Wind und dem Blick auf zwei Küsten, die sich langsam veränderten. Hinter uns Kalabrien, vor uns Sizilien mit seinen Hügeln, Städten und diesem besonderen, warmen Licht.
Kurz nachdem die Fähre anlegte, fuhren wir mitten hinein ins sizilianische Leben: etwas chaotisch, herzlich, laut und unglaublich lebendig. Hinter uns lagen drei Tage voller Impressionen – Berge, Tunnel, Toskana, Umbrien, Amalfiküste, Kalabrien. Und vor uns lag Sizilien, bereit für viele neue Abenteuer.
Sizilien: Von Meeresmythen zur majestätischen Burg
Nach der Ankunft mit der Fähre nahmen wir direkt Kurs gen Süden, wobei uns die Straße von Messina – der legendäre Schauplatz, an dem schon die Meeresungeheuer Skylla und Charybdis ihr Unwesen trieben – sofort in ihren Bann zog. Heute vermutet man hinter den Mythen starke Strömungen und Windhosen; wir begnügten uns jedoch mit einem traditionellen italienischen Frühstück am Meer.
Die Fahrt führte uns zunächst in die Nähe von Taormina. Nach einem kurzen Stopp in der Touristenhochburg, wo wir uns unter die Besucher bei der wunderschönen Halbinsel Isola Bella mischten, verschlug es uns direkt in die Berge. Dort endete unser Weg zwar aufgrund schlechter Straßen, wurde aber mit einer reichen Ernte belohnt: Wir sammelten frische Maronis in den Kastanienalleen, die wir anschließend auf unserer Gasflamme rösteten.
Der nächste Morgen offenbarte den majestätischen Blick auf den Ätna (3403 m), den höchsten aktiven Vulkan Europas, der auch den poetischen Namen Mongibello trägt. Wir näherten uns ihm, um seine ständige Aktivität und vier Gipfelkrater aus der Nähe zu erleben – ein echtes Naturwunder, das die wilde Seele Siziliens verkörpert.
Das Castello di Lombardia: Ein mittelalterlicher Gigant
Unser Weg führte uns dann in das Herz der Insel, zum Castello di Lombardia bei Enna. Angeblich unter Kaiser Friedrich II. erbaut (seinen Sarkophag werden wir in Palermo noch besuchen), thront diese monumentale Festung auf einem Felsen fast 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Mit einer Fläche von 27.000 m² zählt es zu den größten Burgen Europas; von den ursprünglichen zwanzig Türmen sind noch sechs erhalten, und der größte Innenhof dient im Sommer sogar als Freilichttheater.
Direkt am Fuß der Burg liegt der Rocca di Cerere, der Demeterfelsen, einst das Heiligtum der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Von der Plattform des höchsten Turms, des Torre Pisana, hat man an klaren Tagen einen Panoramablick über das Ätnamassiv, die Monti Nebrodi und das Mittelmeer – auch wenn uns an diesem Tag leider das Wetterglück fehlte.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich unser Domizil für die nächsten Tage: das B&B „Profumi di Sicilia“ bei San Cataldo. Wir waren die einzigen Gäste in der Nachsaison und wurden von unseren Gastgebern liebevoll umsorgt. Mit selbstgemachtem Käse, Feigen, Trauben und Granatapfel – alles aus eigenem Anbau – wurden wir verwöhnt und erlebten so die wahre, herzliche Gastfreundschaft, die Sizilien so unvergesslich macht.
Antike Pracht und Strandleben: Vom Tal der Tempel zur Küstenidylle von Cefalù
Von unserem „Stützpunkt“ bei San Cataldo, machten wir uns auf den Weg zu einem der kulturellen Höhepunkte Siziliens: dem Valle dei Templi (Tal der Tempel) bei Agrigent. Die Fahrt führte uns durch das sizilianische Inland, bis wir auf die majestätische archäologische Stätte trafen. Unter dem strahlenden Licht standen die perfekt erhaltenen dorischen Tempel, darunter der imposante Tempel der Concordia, als stumme Zeugen der Magna Graecia. Der Spaziergang durch diese antike Landschaft, umgeben von Olivenbäumen und Mandelbäumen, war eine tief beeindruckende Begegnung mit der hellenischen Vergangenheit der Insel.
Nach so viel Kultur war der Nachmittag ganz der Entspannung gewidmet. Wir fuhren weiter zum langen Sandstrand von Dune bei Agrigent, wo wir uns in der warmen Sonne ausstreckten und uns im Mittelmeer erfrischten. Die wilde Schönheit des Strandes war der perfekte Ausgleich zur überwältigenden Pracht der Tempel. Von dort gings zurück nach San Cataldo und am nächsten Tag setzten wir unsere Reise fort und fuhren nordwärts zur tyrrhenischen Küste, zu unserem nächsten Quartier.
Cefalù: Die Magie der Normannenküste
Unser Ziel war der Campingplatz Sanfilippo in der Nähe von Cefalù, wo wir für die nächsten fünf Tage ein komfortables Appartement bezogen. Diese Küstenregion stand ganz im Zeichen des Dolce Vita: Wir erkundeten Teile der malerischen Küste, genossen ausgiebige Erholung am Strand und tauchten in die bezaubernde Altstadt von Cefalù ein. Die engen Gassen, der Duomo (eine prächtige Normannenkathedrale) und der Blick auf das Wahrzeichen der Stadt – den Felsen Rocca di Cefalù – schufen eine unvergessliche Atmosphäre.
Doch die größte Überraschung auf dem Campingplatz war die Begegnung mit der Weltreise-Community. Wir lernten zwei Paare kennen, die mit ihren riesigen Allrad-Lkw unterwegs waren: ein Schweizer Paar, das bereits auf dem Rückweg von einer langen Tour war, und ein deutsches Paar, das gerade erst gestartet war. Letztere verfolgten einen besonders genussvollen Plan: ihre Reise sollte eine wahre Gourmet-Erkundung der Welt werden. Diese spontanen Begegnungen, der Austausch von Reisegeschichten und das Staunen über die beeindruckenden Expeditionsfahrzeuge, machten die Tage in Cefalù zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Selinunte: Ein Traum aus Wellen und antiken Säulen
Von Cefalù aus führte uns der Weg wieder in den Süden nach Selinunte. Und hier wartete das wohl schönste Domizil unserer gesamten Reise auf uns: eine Wohnung direkt an der Wasserlinie. Die Lage war magisch – bei auflandigem Wind klatschten die Wellen direkt gegen unsere Terrasse. Mit diesem stetigen Meeresrauschen einzuschlafen und aufzuwachen, war ein absoluter Traum.
Der Blick nach Westen offenbarte eine Szenerie wie auf einer Postkarte: ein Kilometer langer, goldener Sandstrand erstreckte sich vor uns, gekrönt von einer atemberaubenden Kulisse – den Ruinen der alten griechischen Tempel. Diese einzigartige Verbindung aus Strandurlaub und antiker Geschichte prägte unsere Tage. Wir genossen lange Spaziergänge am Wasser mit Blick auf die Jahrtausende alten Säulen oder ließen uns einfach die Sonne auf den Bauch scheinen.
Ausflug zu den weißen Felsen
Einen Tag widmeten wir der berühmten Scala dei Turchi, der „Treppe der Türken“. Die strahlend weißen, treppenartigen Felsformationen sind zweifellos imposant, aber leider auch ein ziemlicher Touristenmagnet und entsprechend überlaufen. Wir ließen den Trubel jedoch schnell hinter uns und entdeckten in unmittelbarer Nähe einen weiteren Strandabschnitt. Dieser bot einen ebenso grandiosen Ausblick, war aber herrlich leer. Dass die Strandrestaurants dort leider geschlossen hatten, war nur ein kleiner Wermutstropfen an einem sonst wunderschönen Ausflugstag.
Nach sechs Tagen voller Meeresluft, Tempelblicken und Entspannung fiel es uns schwer, diesem kleinen Paradies „Auf Wiedersehen“ zu sagen
Olivenöl, frisch gepresst
Wir sind auf dem Weg von Selinunt nach Palermo, dem letzten Ziel unserer Sizilienrundreise. Auf dem Gelände der Olivenölgenossenschaft in Menfi, Sizilien, erleben wir hautnah die neue Erntesaison. Die Bauern haben ihre frisch geernteten Oliven bereits angeliefert, und das erste Olivenöl des Jahres wird direkt vor unseren Augen gepresst. Zum Abschluss dürfen wir uns einen 5-Liter-Kanister mit ganz frisch abgefülltem, intensiv duftendem Olio nuovo mitnehmen – ein echtes Stück Sizilien!
Letzte Akte in Sizilien: Von der bitteren Erinnerung zum Barock-Feuerwerk Palermos
Unsere sizilianische Odyssee näherte sich ihrem Ende, aber nicht ohne uns noch einige intensive, letzte Eindrücke zu schenken. Nach der ländlichen Idylle führte uns die Reise an die raue, windgepeitschte Küste von Terrasini, wo das Meer wild gegen die Felsen schlug – ein perfekter, energiegeladener Abschied vom tyrrhenischen Meer.
Über die Autobahn erreichten wir dann Capaci. Unsere Unterkunft, eine charmante Dachwohnung mit gleich zwei großflächigen Terrassen, bot uns einen tollen, lebendigen Blick in die Fußgängerzone. Doch Capaci trägt eine schwere Narbe. Nur wenige Kilometer entfernt, direkt neben der Hauptverkehrsader, steht das Gedenk-Denkmal für das verheerende Mafia-Attentat auf den Richter Giovanni Falcone im Jahr 1992. Der Anblick dieses Mahnmals war ein zutiefst bewegender Moment, der uns die dunkle und ernste Seite der sizilianischen Geschichte und den Mut derer, die für die Rechtsstaatlichkeit kämpften, vor Augen führte.
Palermo: Die Seele der Insel in Barock und Basar
Von Capaci aus tauchten wir per U-Bahn in das pulsierende, chaotische und prunkvolle Palermo ein. Die Hauptstadt ist ein Feuerwerk der Geschichte. Wir starteten bei der monumentalen Kathedrale, deren prachtvolle Fassade die Sarkophage normannischer Könige und des legendären Stauferkaisers Friedrich II. beherbergt – ein Ort, an dem sich Jahrhunderte europäischer Geschichte versammeln.
Weiter ging es zum Mercato del Capo, einem orientalisch anmutenden Freiluftbasar, auf dem die Sinne explodierten: Schreie der Händler, der Duft von Gewürzen, frischem Fisch und Zitrusfrüchten, dichtes Gedränge – ein unvergessliches Erlebnis. Inmitten dieses Trubels kontrastierte die barocke Pracht des Platzes Quattro Canti und das majestätische Teatro Massimo, das größte Opernhaus Italiens, mit seiner beeindruckenden Akustik und Geschichte.
Unser letzter Tag auf Sizilien gehörte der Entspannung und Reflexion. Wir genossen die exotische Pflanzenwelt im ruhigen, grünen Refugium des Botanischen Gartens und unternahmen anschließend eine finale Sightseeing-Tour mit dem oben offenen Bus. Diese Fahrt lieferte uns einen umfassenden Überblick über die vielen Winkel Palermos und half uns, die gesammelten Eindrücke zu ordnen.
Mit der untergehenden Sonne hieß es schließlich Abschied nehmen. Voller unvergesslicher Geschichten – von den Maroni in den Kastanienalleen über die Burgen im Inland bis hin zum Gedenken an Falcone – verließen wir Palermo mit der Fähre in Richtung Livorno. Arrivederci, Sicilia!
Rückreise
Auf der Fähre hatten wir eine Kabine gebucht. Die Nacht verlief ruhig, so ruhig, wie es auf einer Mittelmeerfähre halt möglich ist. Gegen 14 Uhr liefen wir im Hafen von Livorno ein. Da das Wetter hier schon wesentlich herbstlicher war und auch in den Alpen Regen angesagt war, machten wir uns direkt auf den Weg nach Hause, das wir dann auch kurz nach Mitternacht erreichten. Eine dreiwöchige schöne Reise war zu Ende. Aber es war auch wieder schön, zu Hause zu sein, zumindest für die nächsten ein, zwei Wochen.