Zum Jahreswechsel 2025/2026 flogen wir für 6 Tage nach Istanbul: Stuttgart – Sabiha Gökçen. Wir hatten in der Nähe des Taksim-Platzes eine Wohnung über eine große Vermittlungsplattform gebucht, nachdem die Hotels im gleichen Bereich zwar viele Sterne, aber überwiegend schlechte Bewertungen in den diversen Internet-Portalen erhalten hatten. Eine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellte. Vom Flughafen führen wir mit der M4, der einzigen U-Bahnlinie am Flughafen, Richtung Bosporus. Dort stiegen wir in Yenicapi in die Marmaray um, die den Bosporus im „Avrasya Tüneli“ unterquert. Noch einmal in die M2, die über eine Brücke, die über das „Goldene Horn“ führt, zum Taksim-Platz, unserer Endhaltestelle, fährt.
Die Nutzung des ÖPNV in Istanbul ist preiswert. Wir hatten uns am Flughafen die sogenannte Istanbul-Card gekauft. Dazu benötigt man Bargeld, da die Kreditkartenleser an den Ausgabeautomaten in den meisten Fällen nicht funktionieren. Bargeldautomaten gibt es am Flughafen und im Rest der Stadt überall. Die Gebühren unterscheiden sich erheblich. Deshalb solltet ihr euch vorab informieren, welche Bank das Bargeld am günstigsten anbietet. Außerdem kann man in den zahlreichen Wechselstuben Euros in Türkische Lira wechseln. Aufgeladen wird die Karte am gleichen Automaten. Über die aktuellen Preise informiert ihr euch am besten im Internet, da sich die Preise aufgrund der hohen Inflation ständig ändern.
Der Fußmarsch zu unserer Wohnung dauert dann vom Taksim-Platz noch einmal 15 Minuten. Die Wegbeschreibung des Vermieters war sehr genau und so fanden wir die Wohnung, die sich im Keller eines der vielen kleinen Wohnblocks in einer Nebenstraße befand, auch im Dunkeln auf Anhieb. Die Wohnung war modern eingerichtet, sauber und sehr geräumig. Gepäck abstellen, kurz frisch machen und schon gings wieder zurück ins Nachtleben. Wir fanden schnell ein ansprechendes Restaurant, das Zübeyir, in einer kleinen Nebenstraße des Tarlabaşı Boulevards. Es gab kaum noch freie Tische und auf jeder der drei Etagen einen großen Holzkohlegrill. Das Essen war sehr lecker, die Raumsituation etwas beengt und es war laut. Aber die Atmosphäre hatte etwas Orientalisches.
Am nächsten Morgen war der Weg über das Goldene Horn zur Hagia Sophia und Sultan-Achmed-Moschee auf dem Plan. Bis wir die passende Buslinie ausfindig gemacht hatten, dauerte es eine Weile. Um uns herum viele Einheimische, aber auch Touristen. Doch dann fuhren wir in einem „proppevollen“ Bus bis zur Galatabrücke und überquerten sie zu Fuß. Der Bus wird übrigens ebenfalls mit der Istanbul-Card an einem Lesegerät beim Fahrer bezahlt. Menschenmassen wälzten sich durch die Straßen, kein Vergleich zu anderen europäischen Städten. Auf der Brücke standen Schulter an Schulter unzählige Angler, die ihre Ruten über das Geländer und vorbei an den eine Etage tiefer gelegenen Geschäften auswarfen. Welch ein Anblick und im Hintergrund das Panorama der Stadt mit der Süleymaniye-Moschee.
Die Hagia Sophia: Ein Zeitzeuge aus Stein und Gold
Der Anstieg zum Hügel der Hagia Sophia, vorbei am Gülhane-Park, der an den Topkapi-Palast grenzt, war etwas anstrengend. Istanbul, mit inzwischen ca. 20 Millionen Einwohnern, liegt auf vielen Hügeln. Doch die Anstrengung sollte sich lohnen.
Stellt euch vor, wir schreiben das Jahr 532 nach Christus. Kaiser Justinian I. wollte in Konstantinopel etwas errichten, das die Welt noch nie gesehen hatte: die Hagia Sophia – die „Kirche der Heiligen Weisheit“. Innerhalb von nur fünf Jahren erbauten zehntausende Arbeiter dieses architektonische Weltwunder, dessen Herzstück die gewaltige Kuppel ist. Sie war damals eine technische Revolution, da sie durch ein innovatives System fast schwerelos über dem Kirchenschiff zu schweben scheint. Hier dreht sich alles um die Quadratwurzel von zwei und die Zahl Pi.
Die Kuppel der Hagia Sophia bleibt mit ursprünglich 33 Metern Spannweite bis zum heutigen Tage die größte über nur vier Tragepunkten errichtete Ziegel-Kuppel der Architekturgeschichte. Sie gilt mit der gigantischen Umsetzung und den Proportionen und der besonderen Harmonie ihres Innenraums als eines der bedeutendsten Gebäude aller Zeiten.
Durch die hier durch Isidor von Milet und Anthemios von Tralleis erstmals verwirklichten neuartigen Idee in der Durchdringung von Zentralraum und longitudinaler Basilika und aufgrund ihres besonderen Baugefüges, entstand ein Bauwerk, das die Grenzen der verfügbaren technischen Möglichkeiten der Spätantike auslotete. Sie ist bis heute eine der kühnsten Konstruktionen aus Menschenhand und eines der bedeutendsten Bauwerke der letzten 1500 Jahre.
Doch zunächst hieß es, in einer langen Schlange anstehen und 60 Euro für zwei Personen Eintritt zu zahlen, inklusive des Hagia-Sophia-Museums.
Fast ein Jahrtausend lang war sie die größte Kirche der Christenheit und das religiöse Zentrum des Byzantinischen Reiches. Doch das Jahr 1453 änderte alles: Sultan Mehmed II. eroberte Konstantinopel, und die Stadt wurde zum Herz des Osmanischen Reiches – Istanbul.
Aus der Kathedrale wurde eine Moschee. Die christlichen Mosaike wurden zum Teil überputzt, und im Außenbereich wuchsen vier majestätische Minarette in den Himmel. Im Inneren zeugen heute die riesigen Kalligrafie-Schilder von dieser Ära, 7 Meter 50 im Durchmesser.
In der jüngeren Geschichte spiegelte die Hagia Sophia den Wandel der Türkei wider:
- 1935: Mustafa Kemal Atatürk wandelte sie in ein Museum um, um ihre universelle Bedeutung für die Menschheit zu betonen.
- 2020: Sie wurde wieder offiziell für das Gebet als Moschee geöffnet. Der „neue Sultan“ wollte dies so.
Wenn man heute durch das Kaiserportal tritt, spürt man diesen einzigartigen Dialog der Kulturen. Goldene christliche Mosaike der Jungfrau Maria blicken auf die kunstvolle islamische Gebetsnische (Mihrab) herab. Es ist ein Ort, an dem sich zwei Weltreligionen und über 1.500 Jahre Geschichte in einem einzigen Raum begegnen. Leider kann man den Gebetsraum als Giaur nicht betreten, denn hier erst erschließt sich die volle Wirkung des sakralen Baues. Ich hatte das Glück, in den 80er Jahren die Hagia Sophia zu besuchen, als der Zugang zu diesem Weltkulturerbe für alle Menschen noch frei war.
Das Grab von Enrico Dandolo
Das Grab von Enrico Dandolo, einer der umstrittensten Figuren der Stadtgeschichte, ist ein faszinierendes Detail in der Hagia Sophia, das oft übersehen wird.
Die schlichte Steinplatte mit der Aufschrift „Henricus Dandolo“ markiert die Ruhestätte des 42. Dogen von Venedig. Er war der Anführer des Vierten Kreuzzugs, der im Jahr 1204 zur Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzritter führte. Obwohl er bereits über 90 Jahre alt und fast blind war, leitete er die Operationen persönlich – und hat den Kreuzug schließlich nicht überlebt. Die heutige sichtbare Grabplatte stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde während der großen Restaurierung durch die Brüder Fossati (1847–1849) als symbolische Erinnerung an der Stelle platziert, an der man sein ursprüngliches Grab vermutete.
Kurz nebenbei bemerkt: Die Plünderung durch die Kreuzritter war der Anfang vom Ende des oströmischen Reiches und einer der Gründe für die spätere Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen.
Die Sultan-Ahmed-Moschee: Istanbuls blaues Juwel
Direkt gegenüber der Hagia Sophia erhebt sich ein weiteres Meisterwerk: die Sultan-Ahmed-Moschee. Erbaut zwischen 1609 und 1616 von Sultan Ahmed I., sollte sie die Pracht ihrer byzantinischen Nachbarin nicht nur ergänzen, sondern sie sogar übertreffen.
Einzigartig machen sie vor allem ihre sechs Minarette. Zur Zeit ihres Baus war dies ein kleiner Skandal, da nur die Moschee in Mekka so viele besaß.
Die Legende besagt: Der Sultan wollte eigentlich goldene (altın) Minarette, doch der Architekt verstand fälschlicherweise sechs (altı). Ein glückliches Missverständnis, das heute die Skyline Istanbuls prägt.
Ihren Spitznamen „Blaue Moschee“ verdankt sie dem Inneren: Über 20 000 handgefertigte Iznik-Keramikfliesen kleiden die Wände aus. In Kombination mit dem Licht, das durch mehr als 200 kunstvolle Fenster einfällt, entsteht ein sanfter, bläulicher Schimmer, der dem Raum eine fast überirdische Ruhe verleiht.
Im Gegensatz zur Hagia Sophia war die Blaue Moschee (fast) durchgehend ein aktives Gotteshaus.
Kadiköy, die asiatische Seite am Bosporus
Mit der Bosporus-Fähre fuhren wir von Kabataş auf die asiatische Seite nach Kadıköy. Die Zeit vertrieben wir uns mit einem Cay und dem Blick aus dem Fenster auf den regen Schiffsverkehr auf einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen. Sie ist auch wegen des Ukraine-Kriegs momentan häufig in den Schlagzeilen.
In Kadiköy fanden wir direkt hinter der Anlegestelle einen sehr lebhaften Stadtteil mit vielen Geschäften, aber auch zahlreichen Lokalen, die den Außenbereich mit Gasstrahlern wärmten. Dort gönnten wir uns ein deutsches Bier und beobachteten das geschäftige Treiben auf der Straße. Zurück nach Europa gings dann wieder mit der Fähre, die in Karaköy direkt neben der Galatabrücke anlegte.
Galata: Der Wächter über dem Goldenen Horn
Wenn man die Galatabrücke nach Norden überquert, blickt man direkt auf die markante Silhouette des Galataturms, den Wächter über dem Goldenen Horn. Er wurde 1348 von den Genuesen als „Christusturm“ erbaut und war einst der höchste Punkt der Stadtmauer ihrer Handelskolonie. Während auf der anderen Seite des Goldenen Horns die osmanischen Sultane residierten, pulsierte hier das europäische Handelsleben.
Der Turm war der Schauplatz einer der spektakulärsten Legenden Istanbuls: Im 17. Jahrhundert soll der Gelehrte Hezarfen Ahmed Çelebi sich hölzerne Flügel angeschnallt haben. Er sprang von der Spitze des Turms, nutzte die Winde über dem Bosporus und segelte tatsächlich über drei Kilometer weit bis auf die asiatische Seite nach Üsküdar. Ein Moment, der den Turm bis heute zum Symbol für Freiheit und Wagemut macht.
Rund um den Turm liegt das Viertel Galata, das heute zum hippen Stadtteil Beyoğlu gehört. Hier verliert man sich am besten in den steilen, engen Gassen.
Der beste Zeitpunkt für den Turmbesuch soll die Zeit kurz vor dem Sonnenuntergang sein. Wir waren zwar genau dann dort, aber die horrenden Eintrittspreise und die vielen Touristen ließen uns einfach weiter durch das lebendige Viertel mit steilen Straßen in Richtung unserer Wohnung keuchen.
Silvester 2025/Neujahr 2026
Es war die Nacht zum 1. Januar. Über den Taksimplatz fuhren wir gegen 23 Uhr mit der kabelgebundenen Bahn wieder abwärts nach Kabataş. Dort hatte man von einer erhöhten Position einen herrlichen Blick auf den Bosporus und die Bosporusbrücken. Zahlreiche Veranstaltungsschiffe hatten sich auf der Seestraße versammelt und fuhren in Richtung der ca. 2 km entfernten Brücken.
Dort startete pünktlich um null Uhr ein Feuerwerk, vielleicht nicht so grandios, wie wir es aus Europa gewohnt sind. Aber durch den 360°-Blick konnte man neben der erleuchteten Silhouette von Istanbul auch das Feuerwerk beim Goldenen Horn und viele weitere sehen. Zurück ging es mit der Bahn zum Taksimplatz, auf dem auch viele Feiernde das neue Jahr begrüßten. Alles in allem lief alles sehr geordnet und friedlich ab. Diese Eigenschaften würden dem Jahr 2026 auch gut zu Gesicht stehen.
Der Große Basar: Ein Labyrinth aus Gold, Seide und Tee
Schnee: Das neue Jahr begann mit einem starken Schneeschauer. Bald war alles weiß. Doch wir stärkten uns zunächst an einem frisch zubereiteten Frühstück in einem kleinen Café, direkt bei unserer Wohnung: super Service und 20 Euro für zwei Personen, was will man mehr.
Mit dem Taxi gings dann über die Atatürk-Brücke zum Großen Basar.
Willkommen im ältesten und größten überdachten Markt der Welt. Der Große Basar ist das pulsierende Herz des alten Istanbuls und ein absolutes Muss für jede Reise.
Gegründet kurz nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1455, ist der Große Basar heute ein gigantisches Labyrinth aus über 60 Gassen und mehr als 4000 Geschäften. Sobald man eines der 22 Tore durchschreitet, verlässt man die moderne Welt und taucht ein in ein Handelsimperium, das seit Jahrhunderten fast unverändert scheint.
Der Basar ist ein Angriff auf alle Sinne – im positivsten Sinne:
- Optik: Das warme Leuchten tausender Mosaik-Lampen, das Glitzern von Gold in der „Juweliersgasse“ und die kunstvollen Muster handgeknüpfter Teppiche.
- Geruch: Der schwere Duft von Leder, frisch geröstetem Kaffee und exotischen Gewürzen, die aus den kleinen Manufakturen in die Gassen strömen.
- Akustik: Das rhythmische Hämmern der Kupferschmiede und das ständige Rufen der Händler.
Hier ist Einkaufen kein bloßer Austausch von Geld gegen Ware, sondern ein soziales Ritual. Ein echtes Geschäft beginnt meist mit einem Glas türkischem Tee (Çay). Das Feilschen (Pazarlık) gehört zum guten Ton – es ist ein Spiel aus Höflichkeit, Geduld und Humor. Wer hier ohne ein Lächeln und ein kurzes Gespräch kauft, verpasst das eigentliche Erlebnis. So fragte mich ein lustiger Verkäufer beim Vorbeigehen: „Would you like to buy something, you don’t need?“ Ich lache jedes Mal noch, wenn ich nur an die Situation denke.
Die Süleymaniye-Moschee
Die Süleymaniye-Moschee ist für viele Istanbul-Kenner das eigentliche Highlight der Stadt. Während die Blaue Moschee oft von Touristen überlaufen ist, strahlt die Süleymaniye eine erhabene Ruhe und architektonische Perfektion aus.
Hoch oben auf dem dritten Hügel Istanbuls thront sie über dem Goldenen Horn: die Süleymaniye-Moschee. Sie ist das Werk des genialen Architekten Mimar Sinan, der sie im Auftrag von Sultan Süleyman dem Prächtigen im 16. Jahrhundert errichtete. Für Sinan war sie sein „Gesellenstück“, doch für die Welt ist sie eines der vollkommensten Bauwerke der osmanischen Architektur.
Im Inneren erwartet euch keine überladene Pracht, sondern eine überwältigende mathematische Harmonie. Sinan, der geniale Architekt, nutzte innovative Akustik-Tricks: Er mauerte hohle Tonkrüge in die Kuppel ein, damit die Stimme des Imams bis in den letzten Winkel getragen wird.
- Das Licht: Über 200 Fenster lassen das Tageslicht so geschickt einfallen, dass der riesige Raum fast schwerelos wirkt.
- Das Ruß-System: Ein cleveres Belüftungssystem leitete den Ruß der tausenden Öllampen in eine Kammer über dem Eingang, wo er gesammelt und zu hochwertiger Tinte für Kalligraphen verarbeitet wurde.
Die Süleymaniye war das Herz eines riesigen Sozialkomplexes (Külliye). Rund um die Moschee findet man noch heute:
- Die ehemalige Armenküche (heute ein Restaurant).
- Eine Karawanserei und ein Krankenhaus.
- Die Bibliothek, die bis heute wertvolle Handschriften hütet.
Hürrem Sultan: Von der Sklavin zur mächtigsten Frau des Reiches
Wenn ihr im Garten der Süleymaniye-Moschee vor den prachtvollen Grabbauten steht, findet ihr dort nicht nur den Sultan, sondern direkt daneben seine große Liebe: Hürrem Sultan, im Westen oft als Roxelane bekannt.
Ihre Geschichte ist wie ein Märchen – nur real:
Der Aufstieg: Als junge Frau wurde sie aus dem heutigen Osteuropa verschleppt und als Sklavin in den Harem von Süleyman dem Prächtigen verkauft. Doch sie war weit mehr als nur eine Konkubine. Mit Klugheit, Charme und eisernem Willen stieg sie zur absoluten Lieblingsfrau des Sultans auf.
Bruch mit der Tradition: Süleyman tat für sie etwas Ungeheuerliches: Er brach mit jahrhundertealten osmanischen Traditionen, entließ sie aus der Sklaverei und machte sie zu seiner rechtmäßigen Ehefrau.
Das „Sultanat der Frauen“: Hürrem war die erste Frau, die aktiv in die Politik des Reiches eingriff. Sie korrespondierte mit Königen, beriet den Sultan in Staatsangelegenheiten und gründete zahlreiche Stiftungen – darunter Krankenhäuser, Armenküchen und öffentliche Bäder (wie das berühmte Haseki Hürrem Sultan Hamam direkt zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee.
Ein ewiger Ruheplatz: Dass sie ein eigenes, prachtvolles Mausoleum (Türbe) direkt neben dem des Sultans erhielt, war damals eine Sensation und zeigt, wie tief die Bindung zwischen den beiden war. Ihr Grab ist im Inneren mit den feinsten Iznik-Fliesen geschmückt, die florale Muster wie Tulpen und Rosen zeigen – ein Symbol für das Paradies.
Fener, das ehemalige griechische Viertel
An unserem letzten vollen Tag in Istanbul machten wir einen Spaziergang durch Fener. War das Viertel früher der Stadtteil der griechischen Oberschicht, ist es heute ein Mix aus verfallener Pracht, bunten Fassaden und tiefgreifender Religionsgeschichte.
Versteckt hinter einer unscheinbaren Mauer liegt in diesem Viertel der Sitz des Patriarchen von Konstantinopel. Von außen schlicht, ist das Innere der St.-Georgs-Kathedrale ein überwältigendes Meer aus Gold und Ikonen. Es ist das geistige Zentrum der orthodoxen Christenheit – ein „Vatikan des Ostens“ mitten in Istanbul. Da gerade reger Besuch von Gläubigen war, haben wir auf einen Besuch verzichtet.
Jetzt wird es farbenfroh! In den Straßen rund um die Merdivenli Yokuşu (die Treppengasse) stehen die berühmten pastellfarbenen Häuser, die heute das Gesicht von Fener prägen. Hier findet man angeblich das „echte“ Istanbul: Wäscheleinen hängen quer über die Gassen, Kinder spielen Fußball, und überall schlafen Katzen in der Sonne.
Fener ist heute ein Hotspot für gemütliche, alternative Cafés.
Melange der Kulturen
Istanbul ist mehr als die heimliche Hauptstadt der Türkei, die sie ja tatsächlich in der osmanischen Zeit war. Istanbul ist ein Spiegel der heutigen Welt. Kein homogenes Abbild einer einheitlichen Kultur, sondern eine Mischung aus Säkularität, Religiosität und Aktualität. Ein lebensfroher Ort mit vielen Problemen, aber genauso vielen mehr oder weniger guten Lösungen – ein Ort zum Wiederkommen und zum Verstehenlernen.
KI-Podcast zum Reisebericht
Abreise
Unser Abreisetag begann mit einem Stromausfall in der Wohnung. Da wir aber schon alles gepackt hatten, verlief das Auschecken problemlos. Unser Vermieter hat uns später informiert, dass das wohl ein größeres Problem war. Der Rest der Rückreise verlief ohne Zwischenfälle und wir sind wieder glücklich und voller neuer Eindrücke daheim gelandet.