„Lauter Auspuff rettet Leben“ – ob dieser Spruch der Wahrheit entspricht, mag dahingestellt sein, auch wenn einige Biker ihn lächelnd bejahen. Was aber wissenschaftlich erwiesen ist: Lärm macht krank. Zwar nicht sofort, aber auf Dauer. Verkehrslärm kann chronischen Stress auslösen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen erhöhen. Lärm wirkt im Körper als unterschätzter Stressfaktor, der schleichend die Gesundheit schädigt. Und der kernige Sound aus dem Auspuff einiger viel zu lauter Maschinen schädigt natürlich auf Dauer auch das Hörvermögen der Fahrer.
Es geht auch anders, auch wenn dies in unseren Bikerkreisen kein beliebtes Thema ist. Denn wir Motorradfahrer sind mit der Gewissheit aufgewachsen: Richtige Motorräder sind schnell und haben vor allem einen lauten und weit hörbaren typischen Sound. Nur, passt das noch in die heutige Zeit? Wir müssen lernen, umzudenken. Spätpubertäres Verhalten ist fehl am Platz. Genauso wie heute kaum noch jemand auf die Idee kommen würde, in einem Speiserestaurant am Tisch zu rauchen, genauso wenig sollten unsere Maschinen andere Menschen und uns selbst durch Lärm krank machen.
Ich will mit meinem Denkanstoß das Hobby Motorradfahren nicht vermiesen, obwohl ich mit diesem Artikel sicherlich viel Widerspruch in unserer Community hervorrufen werde. Auch ich fahre gerne Motorrad. Aber der Spaß könnte bald ein Ende haben. Einige viel zu laute „Pipes“ zerstören den Ruf auch der leisen Motorradfahrer-Spezies und bringen einen großen Teil der Öffentlichkeit gegen alle Motorradfahrer auf. Ja, die wenigsten haben ihr Fahrzeug manipuliert, damit es noch lauter dröhnt. Aber vielleicht hast du einen legalen Zubehörauspuff installiert, der die eigene Maschine etwas kerniger tönen lässt. Die Industrie produziert die lauten Auspufftöpfe serienmäßig und zulassungsfähig. Das sollte ein Ende haben. Der Gesetzgeber ist hier aufgerufen, diesen, wie ich finde, Missstand zu beenden. Nicht die verkauften Maschinen und Teile im Nachhinein verbieten, aber die Grundlage schaffen, dass zukünftige zugelassene Fahrzeuge leiser werden oder Anreize für Bestandsfahrzeuge geschaffen werden, die Phon-Zahl zu vermindern.
Wir alle lieben das Gefühl, auf dem Motorrad unterwegs zu sein. Umso ärgerlicher ist es, wenn rücksichtslose Raserei zu Streckensperrungen und immer strengeren Tempolimits beiträgt. Wer die Grenzen seines Könnens und Motorrads ausloten möchte, findet dafür auf der Rennstrecke den passenden Ort – ohne Gegenverkehr und mit geeigneten Sicherheitsvorkehrungen.
Denn wir teilen uns mit vielen anderen die Natur und die Straße. Solange Motorräder nicht serienmäßig leiser sind, liegt es auch an uns, wie viel Lärm bei ihnen ankommt. Mit einer rücksichtsvollen Fahrweise können wir zeigen, dass Fahrfreude und Respekt zusammengehören.
Es macht Spaß, eine idyllische Straße in einem malerischen Flusstal, vielleicht mit etwas zu viel Speed in den Kurven, entlangzufahren. Aber müssen dadurch die Wanderer, Radfahrer und Anwohner durch ohrenbetäubenden Lärm (besonders wenn wir dann auch noch in Massen auftauchen) gestört werden? Einen Gang hochschalten, niedertouriger fahren und in Zukunft gezielt leise Motorräder kaufen. Die Industrie produziert das, was letztlich nachgefragt wird. Dann können wir auch in Zukunft weiter unserem Hobby Motorradfahren frönen und mit einem Lächeln im Gesicht die Kurven genießen.
Übrigens: „Nicht angepasste Geschwindigkeit ist ein häufig erfasster Fehler von Motorradfahrern. Bei Zusammenstößen mit Pkw wird hingegen häufig dem Autofahrer die Hauptverursachung zugeschrieben. Wie oft ein Motorrad dabei tatsächlich übersehen (oder überhört) wurde, lässt sich aus der amtlichen Statistik allein nicht ablesen.“ Quelle: https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00076358/5462408217004.pdf