Dieser Artikel ist für mich etwas Neues, denn er ist eine Verbindung zweier meiner Aktivitäten, die eigentlich getrennt sind: zum einen das Verfassen von Essays über „Gott und die Welt“, zum anderen meine Reiseberichte und -videos. Heute berichte ich über keine neuen oder bekannten Reiseziele, heute will ich mal ein wenig  über die Verbindung von beiden philosophieren, also der Verbindung von Reisen mit dem Motorrad und Gedanken über das Erleben der Zeit. Das wird weder eine wissenschaftliche Abhandlung über komplexe Gehirnvorgänge beim Motorradfahren noch tiefgründige Aussagen zu physikalischen Erkenntnissen über die 4. Dimension.

Einige mögen die etwas oberflächlichen Bemerkungen belächeln, aber ich finde im Schreiben der Zeilen und im Erstellen von Videos und KI-Podcasts eine Befriedigung und kann meine Gedanken ordnen und damit meinen Platz im Universum etwas besser verstehen. Vielleicht kannst du mir ja unten in den Kommentaren deine Meinung dazu, gerne auch als Nicht-Motorradfahrer, mitteilen.

Zeit können wir messen, immer genauer, immer präziser. Aber verstehen wir die Zeit als grundlegende Dimension der Abfolge von Ereignissen überhaupt in ihrer Gänze? Und lässt sich Zeit bewusst erleben?

Kennst du das Gefühl? Die Woche rast an dir vorbei. Montag … Freitag … und alles dazwischen verschwimmt im Autopiloten. Unser Gehirn liebt Routine. Und Routine lässt die Zeit, unsere Lebenszeit, schrumpfen.

Zeit und Bewegung

Im Auto wird sie überbrückt. Man bewegt sich durch den Raum, während die Gedanken woanders sind. Oft komme ich am Ziel an, ohne mich bewusst an den Weg erinnern zu können. Auf dem Motorrad verschiebt sich diese Ordnung. Zeit ist nicht mehr Hintergrund, sondern Teil der Bewegung. Auch wenn auch hier vieles automatisch abläuft, so erlebe ich hier „das Fahren“, die Bewegung, viel bewusster. Mein Körper ist beteiligt. Meine Aufmerksamkeit ist viel stärker gebunden. Wahrnehmung und Handlung fallen zusammen. Nicht aus Anstrengung, sondern aus Präsenz.

Zeit-und-Motorrad-1024x572 Über Zeit, Motorradfahren und das Dazwischen
KI-generiertes Poster

In solchen Momenten verändert sich der Zeitfluss. Er wird nicht schneller und nicht langsamer – aber er wird intensiver spürbar. Sobald wir fahren, ändert sich die Physik in unserem Kopf. Im Auto döst dein Gehirn. Aber hier? Jede Kurve ist eine neue Herausforderung. Bremspunkt. Einlenken. Schräglage. Dein Kopf verarbeitet tausende Sinneseindrücke pro Sekunde.

Philosophen sprechen vom „Jetzt“. Nicht als Punkt auf einer Linie, sondern als Zustand, in dem man wirklich anwesend ist. Motorradfahren schafft genau solche Zustände, den Flow. Nicht permanent, nicht garantiert – aber immer wieder. Das ist das Paradoxon des Motorradfahrens: Während du fährst, vergisst du die Zeit. Du bist im reinen „Jetzt“. Im Flow. Es gibt kein Gestern, kein Morgen, nur den nächsten Scheitelpunkt. Und du nimmst die Zeit unmittelbar wahr, und sie vergeht damit gefühlt langsamer.

Zeitgefühl und Lebensalter

Vielleicht erklärt das auch, warum sich Zeit mit zunehmendem Lebensalter anders anfühlt. Je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto wertvoller werden die Momente, die keine Routine sind, an die wir uns erinnern und die wir bewusst erleben. Und deshalb verläuft die Zeit im Alter gefühlt viel schneller als in der Jugend.

Wenn ich meine motorradfahrenden Kumpels (und Kumpelinen) so betrachte, vor allem die Älteren, so kommt es mir vor, dass sie im Vergleich zu ihren Altersgenossen viel jünger wirken und sich auch so verhalten. Nun ja, im Zelt wollen die meisten nicht mehr übernachten. Aber der Besuch im Café oder ein Kurz-Urlaub werden nicht mit dem klimatisierten Bus, sondern mit der eigenen, meist übermotorisierten Maschine unternommen. So erleben wir die Zeit viel intensiver und sie vergeht damit gefühlt viel langsamer. Motorradfahren verlängert also unser Leben, zumindest gefühlt, und was will man mehr?

Zeit kann stattfinden

Motorradfahren ist natürlich kein Mittel gegen das Vergehen der Zeit. Aber es verändert unsere Beziehung zu ihr.

Es erinnert daran, dass Zeit nicht nur vergeht, sondern stattfindet.

Bewegung mit dem Motorrad macht die Zeit nicht schneller oder langsamer, nur wahrnehmbarer. Was denkst du darüber?

KI-generierter Podcast zum Inhalt

Den Podcast, den ich mit NotebookLM erzeugt habe, finde ich echt gelungen. Meine Gedanken werden sinnvoll zusammengefasst und ergänzt:

Und noch eine KI-Kurzpräsentation

Kommentar (2)

  • GS| 03.03.2026

    Das sind meine Eindrūcke seid 50 Jahren. Beim
    Motorradfahren bin ich 7x mehr konzentriert. Viel bewusster. Der Autopilot ist neu. Damals ging es auch ohne. Andreas, sehr gut gemacht!

  • AndyO| 05.03.2026

    Hallo Gerd, danke für deinen Kommentar. Ich freue mich, wenn dir mein Artikel und/oder der Film gefallen hat. Ich hatte beim „Machen“ auf jeden Fall viel Spaß.

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