Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eigentlich wollte ich mich ohne große Ansprache vom Acker machen. Denn es wird nirgends so viel an der Wahrheit geschönt, wie auf Beerdigungen und Verabschiedungen. Aber irgendwie habe ich geahnt, dass mir dies nicht gelingen würde. Also werde auch ich jetzt meine kleine Rückschau geben. Sie wird nur kurz sein, denn ich will niemanden langweilen, und weil ich kein geübter Redner bin, habe ich mir das, was ich sagen will, vorsichtshalber aufgeschrieben.

Als ich 1989 in die BAW kam, gab es noch die BRD und die DDR. Gorbatschow und seine Perestroika waren, wie das Ozonloch, in aller Munde. Von PCs mit Internetanschluss (in der Regel ein Telefonhörer mit Akustikkoppler) wussten nur ein paar Hacker, wie alle Computerfreaks damals hießen, und in der BAW wurde gerade ein neues Textverarbeitungssystem im Schreibdienst ausgerollt, das im Prinzip eine Schreibmaschine auf einer Art PC simulierte – ein digitales Blatt sauste da an einer auf dem Bildschirm stationären Schreibzeile, genau wie an einer Schreibmaschine, vorbei. Meine Aufgabe war es, dieses auch aus damaliger Sicht reichlich altertümliche System in der BAW und der WSV auszurollen, sowie etwas später die ersten komplexeren Netzwerke für die BMW zu entwickeln.

Nun ja, den Lauf der Geschichte kennen die meisten: Es gibt jetzt einen Stacheldrahtzaun um fast ganz Europa, viele dürfen raus, wenige rein. Das Ozonloch ist wesentlich kleiner geworden, dafür verändert sich das Klima viel zu schnell und in die falsche Richtung, Telefone passen in die Hosentasche, haben einen Bildschirm, machen Fotos und Videos, und ohne Internetanschluss kann niemand mehr überleben. Der Schreibdienst der BAW ist längst aufgelöst und Schreibarbeiten sind auf die Sachbearbeitung verlagert worden. Und nicht zuletzt ist auch die Bundesverwaltung digital, hinkt aber dem Stand der Technik meistens hinterher.

Ein Wunsch von mir war damals, dass ich vom Strand aus arbeiten kann und alle benötigten Informationen einfach auf meinen Computer bekomme. Dann wäre ich im Paradies, so habe ich gedacht. Und genau das funktioniert heute fast perfekt. Im Paradies bin ich aber nicht gelandet, denn die Wünsche wachsen mit der Zeit und am Strand gibt es Besseres zu tun, als zu arbeiten. Jetzt hoffe ich halt auf die künstliche Intelligenz, die dann alle lästigen Arbeiten erledigt.

Ach ja, was ich außerdem nur sagen wollte: Heute bin ich so ein alter weißer Mann, der endlich den Jüngeren mit ihren super Ideen und dem totalen Überblick Platz macht. Aber das ist nichts Neues, auch wir haben damals gedacht, dass die Lösung der Probleme, die wir für wichtig hielten, der Schlüssel für die Glückseligkeit der Menschheit wäre, und uns Jungen die Alten einfach mal machen lassen sollten. So denkt wohl jede Generation. Wir, die sogenannten Babyboomer, haben dann auch vieles gemacht, leider nicht alles richtig. Das können jetzt die nächsten Generationen versuchen, ich mache dafür in der BAW Platz und bin dann demnächst mal weg.

Ich danke euch für teilweise super Zeiten in der BAW und wünsche euch noch viel Freude hier und im restlichen Leben. Ich habe gerade in einer wissenschaftlichen Studie gelesen, dass die Arbeit den Menschen mehr prägt als Partner oder Schicksalsschläge. „Ein Jahr im Büro prägt mehr als ein Jahr Elternzeit“. Erstaunlich, aber das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Denkt daran: Menschen sind dann am produktivsten und zufriedensten, wenn sie im Team zusammenarbeiten, nicht gegeneinander.

Und das war es auch schon, was ich noch sagen wollte.

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